Brief von Elterninitiative Fremdsprachenwahl

Elterninitiative  Fremdsprachenwahl

Eltern des Gymnasiums Luisenstift, Radebeul, möchten auf ein gravierendes Problem aufmerksam machen, das immer wieder an sächsischen Gymnasien auftritt bzw. auftreten kann und dringender Abhilfe bedarf.

 In der Regel wird in der 5. Klasse des Gymnasiums die 2. Fremdsprache durch Wahl festgelegt. Am Gymnasium Luisenstift gab es im laufenden Schuljahr die Wahlmöglichkeit zwischen Französisch und Russisch. Von 84 Schülern haben sich schließlich 65 für Französisch entschieden und 19 für Russisch. Da aber nur zwei Französischklassen und eine Russischklasse vorgesehen sind, sah sich die Schule gezwungen, per Losverfahren neun Schüler entgegen ihrem erklärten Wunsch dem Russischunterricht zuzuweisen. Die Auslosung fand am 6. März 2013 statt.

Die Empörung der Eltern der 5. Jahrgangsstufe ist verständlicherweise groß. Das sächsische Kultusministerium hat mit § 17 Abs. 3 Schulordnung-Gymnasien-Abiturprüfung (SOGYA) eine Verordnung erlassen, die in ihrer Anwendung in unzumutbarer Weise eine höchstpersönliche, lebensprägende und zuweilen äußeren Zwängen unterworfene Entscheidung der Fremdsprachenwahl vereitelt, wenn Sprachklassen unabhängig von den persönlichen Wünschen der Schüler per Losverfahren aufgefüllt werden statt neue Kurse zu bilden.

 Entscheidendes Kriterium bereits für die Schulwahl sind die Fremdsprachen- und Profilangebote.

In vielen Familien gibt es zwingende Gründe für oder gegen eine bestimmte Fremdsprache. Neben den Neigungen des Kindes, die die Hauptmotivation zum Erlernen einer Sprache darstellen, wird die Auswahl oftmals dadurch getroffen, dass ein oder mehrere Geschwister dieselbe Sprache bereits erlernen. Genauso erheblich sind familiäre Bindungen und Erfahrungen. Nicht zuletzt können der ganzen Familie unzumutbare Nachteile entstehen, wenn ein Umzug in andere Bundesländer oder das Ausland ansteht und die zugeteilte Fremdsprache dort nicht angeboten wird, was bei Russisch meist der Fall ist. Abhilfe lässt sich auch nicht durch einen (einschneidenden) Schulwechsel nach der 5. Klasse schaffen, da die meisten Schulen, zumindest in unserem Raum, ihre Kapazitäten in den Anfangsjahrgängen gefüllt haben.

Eine so wesentliche Entscheidung wie die Wahl der verpflichtenden 2. Fremdsprache darf keinem Schüler aufgezwungen werden.

 Die zu dieser Problematik in Einzelfällen getroffenen Gerichtsentscheidungen gehen zwar davon aus, dass kein Rechtsanspruch auf eine bestimmte Fremdsprache besteht, die Überprüfung der zugrunde liegenden Normen war jedoch nicht Gegenstand der Verfahren. Die Entscheidungen korrigierten die Sachlage dahingehend, dass die Gymnasien verpflichtet wurden, die Klassenobergrenze zu überschreiten.

Es kann jedoch nicht sinnvoll sein, Einzelne auf diesen Sonderweg zu führen und ansonsten die Schulen zu verpflichten, sich mit Höchstzahlen von Schülern an einem qualifizierten Sprachunterricht zu versuchen. Das Gegenteil sollte angestrebt werden, nämlich möglichst kleine und damit effektive Sprachkurse. Gute Fremdsprachenkenntnisse sind wesentliche Voraussetzung für die spätere erfolgreiche berufliche Orientierung. Dass dazu mancherorts die Lehrer fehlen mögen, ist keine Rechtfertigung für legitimierte Mangelverwaltung.

 Angebote zur zweiten Fremdsprache müssen an den Gymnasien verbindlich sein, damit die Familien vorab ihre Auswahl treffen können. Das erklärte Ziel einer erfolgreichen, zukunftsorientierten Bildungspolitik kann nur sein, den notwendigen Bedürfnissen der Schüler gerecht zu werden.

 Die betroffenen Eltern des Gymnasiums Luisenstift fordern alle Verantwortlichen auf, die Sinn- und Rechtmäßigkeit der einschlägigen Vorschriften zu überdenken und sich wieder für freie Wahlmöglichkeiten der am jeweiligen Gymnasium angebotenen Fremdsprachen einzusetzen. Am Gymnasium Luisenstift bedarf es dazu eines weiteren Französischkurses.

 Die Fälle, dass Schüler gegen ihren erklärten Willen gezwungen werden, eine ungewünschte Fremdsprache zu erlernen, darf es nicht geben.

 Elterninitiative Fremdspachenwahl

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